Männer und Frauen in Tracht an der Gnadenkapelle

Gschichtln rund ums Gautrachtenfest 2019 in Altötting

Vom Schuhplatteln und Dirndldrahn

Schuhplatteln und Dirndldrahn zählten schon zu Zeiten von König Max II zu den wichtigsten Bestandteilen der Trachtenbewegung. Aus dem Paartanz, einer traditionsreichen Werbung ums Madel, entwickelte sich nicht nur die von den Wittelsbachern gewünschte Stärkung des bayerischen Nationalgefühls. Menschen in aller Welt erkennen mittlerweile das Schuhplatteln als Markenzeichen Bayerns an. Schuhplatteln gehört zum weiß-blauen Land genauso wie die naturbelassenen Landschaften und das Bekenntnis zur Heimat.

Die Tracht als Funktionskleidung

Zu diesem Tanz gehören ein fesches Kleid für die Dirndln und eine „Krachlederne“ für die Buam. Der Rock zeigt vor allem einen Unterschied zum streng traditionellen Trachtengewand auf. „Er muss weit werden beim Drehen, weil das dazugehört. Genauso ist die Lederhose wichtig, weil es dann gescheit kracht“, erklärt Trachtenexpertin Annamierl Raab aus Miesbach. Im Raum des Gautrachtenverbandes I und des Inn- bzw. Chiemgaus gilt die Regel, dass bei den Damen ein mit bis zu acht Zentimetern breiter Reif beim Drehen erkennbar sein muss. Bei den Herren der Schöpfung hat sich die prall an den Schenkeln liegende Lederhose während der Französischen Revolution entwickelt. Die Verengung der Hose erfolgte bereits im Rokoko. Grundsätzlich wurde die Tracht für den Tanz angepasst und entwickelte sich in diesem Bereich mehr zu einer Funktionsbekleidung.

Trachtler beim Tanzen

Schon "de oidn Rittersleut"

Dagegen liegen die im weitesten Sinn ursprünglichen Wurzeln des Schuhplattelns mehr als 1000 Jahre zurück . Wie die Augsburger Allgemeine einmal berichtete, wurden Dokumente eines Tegernseer Mönchs aus dem Jahr 1050 gefunden, der in einer Ritterdichtung einen Tanz mit Sprung und Handgebärde beschrieb. Erst viel später entwickelten Bauern, Jäger und Holzknechte nahezu vergleichbare Varianten der heutigen Ausdrucksform. Der Trachtenverband Bayern zitiert Sigi Götze, der sich mit der Geschichte beschäftigt hat. Der Schuhplattler sei ein Burschentanz mit Werbecharakter. Er verbinde Geschicklichkeit, Eleganz und Rhythmus. Früher demonstrierten die Burschen mit dem lauten Schlagen auf Schuhsohlen und Lederhosen unter anderem ihre Kraft.

Plattler für die Kaiserin

Als die Wittelsbacher für die Zusammengehörigkeit als oberste Kammer für ihr Bayernland eintraten, wurden Schuhplatteln und Dirndldrahn von der zunehmenden Zahl von Trachtenvereinen mit ins Programm aufgenommen. Zu Ehren der russischen Kaiserin präsentierten ausgewählte Paare diesen Tanz 1838 annähernd so, wie wir ihn heute kennen. Der Landler ist bis heute die musikalische Grundlage der Tänze. Dazu zeigten die Burschen verschiedene Figuren: sie sprangen, schnaggelten und plattelten. Die Madel drehten sich dazu im Takt. Am 15. Juli 1858 wurde im Oberland vor König Max II. der erste wirkliche Schuhplattler-Tanz aufgeführt. Acht Jahre später gründeten die Miesbacher die erste Schuhplattler-Gesellschaft.

Männer in Lederhosen beim Schuhplatteln

150 Schuhplattler-Varianten

Es gab 150 verschiedene Formen. Eher streng ging es im südöstlichen Teil Bayerns zu. Dort tanzten die Buam in aufrechter Haltung und mit festem Schlag. Im restlichen Südbayern herrschte eine lockere, rundere Form vor. Mit der Ausbreitung der Trachtenvereine ging auch eine zentral gesteuerte Vereinheitlichung des Schuhplattelns einher. Nach wie vor gibt es aber immer noch den einen oder anderen regional bedingten Unterschied. Der zweite Part des althergebrachten Werbungstanzes ist das Dirndldrahn. Dabei dreht sich die Umworbene wie „eine surrende Spindel“. Grundsätzlich solle das Madel seine Freude zwar Ausdruck bringen, aber ihren Blick ehr dezent nach unten wenden. Die Kirche war mit dem Treiben der Trachtenvereine zunächst nicht einverstanden, weil es zu unsittlich war. Ein Freisinger Bischof überlegte sogar, ob die ganze Chose nicht sogar des Teufels Idee war. Ab Mitte der 1920er-Jahre übernahm auch der Rock eine bedeutende Rolle. Die Madeln drehen sich im Gautrachtenverband I, sowie im Inn- und Chiemgau gleichsam einer Ballerina fast auf den Zehenspitzen. In anderen Landstrichen drehen sich die Dirndl mehr auf den Fußsohlen. Deren Röcke sind im Gegensatz zu den oben beschriebenen eher glockenförmig.

Weltweiter Wiedererkennungswert

Der Paartanz und vor allem das Schuhplatteln entwickelten sich zu einem Markenzeichen Bayerns. An dieser Stelle lohnt es erneut Sigi Götze zu erwähnen, der diesen Tanz „als relativ junges, aber widerstandsfähiges Brauchtumsgewächs“ beschreibt. Der Ausdruckstanz ist derart faszinierend, dass er sich im gesamten Bundesgebiet sehr schnell zu einem der dominantesten landesüblichen Tänze entwickelte.

Männer und Frauen in Tracht beim Tanzen.

Prächtiger Kronentanz

Im Rahmen des Gaufestes in Altötting, wird eine alte Tradition fortgeführt: der Kronentanz. Die Altöttinger wollen diese prachtvolle Darbietung mit 16 Paaren aufführen. Jedes Mitglied dieser großen Gruppe hält einen aus Buchs geflochtenen Bogen in Händen. Zu den Klängen eines Marsches entfacht sich eine wunderschöne Choreografie, die am Ende in der Darstellung der Bayerischen Krone ihren Ausdruck findet.

Männer und Frauen stehen sich gegenüber und halten Girlanden zum Laubentanz

Weitere Gschichtln rund ums Gautrachtenfest 2019 in Altötting

Frauen und Männer in Altöttinger Tracht am See.

Die Altöttinger Tracht

Altöttinger Tracht
Menschen in Tracht sitzen in einem Bierzelt

Tracht in Bayern

Tracht in Bayern
Vier Jungen in Lederhosen an einem Holzhäuschen

Von Dirndl und Lederhosen

Dirndl und Lederhosen