Männer und Frauen in Tracht an der Gnadenkapelle

Gschichtln rund ums Gautrachtenfest 2019 in Altötting

Die besondere Haltung der Damen

„Es ist schon ein Unterschied, ob man eine Tracht oder ein Dirndl trägt“, sagt Annamierl Raab. Sie näht derartiges Gewand selbst und kann die wichtigsten Eckpunkte am besten beschreiben. Das Nationalgewand in seiner ursprünglichen Form ist ein Ausdruck von Stolz. Deshalb wurde es auch nur zu festlichen Anlässen getragen: „Darin hast du automatisch eine ganz andere, aufrechte Haltung, weil ein Mieder mit Geschnür oder ein Spencer dazugehörte.“ Auch der lange Rock ist bis heute ein wichtiger Bestandteil. Eine Haube aus Otterfell zeigte unter anderem den Stand und auch den Reichtum an. „Riegelhauben sind vor allem in den alten Handelsstätten wie in Passau, Kempten, München oder Augsburg ein Markenzeichen. Sie wurden von Bürgersfrauen getragen“, erläutert die Trachtenwartin. Je nach regional ansässiger Handwerkskunst entwickelten sich regional unterschiedliche Haubenformen. Im Raum Neugablonz wurden Perlen, Gold oder andere Edelsteine verarbeitet. Eine andere Tradition entdecken wir im Frankenland: das sehr aufwändig gestaltete Flitterkränzchen. Die Frauen zeigen ihre nahende Heirat an.

Männliches Generationsprojekt

Was den Damen ihr Dirndl, ist dem Burschen letztlich seine Lederhose. In der Vorzeit der Trachtenbewegung galt dieses robuste Kleidungsstück vor allem in den Bergen als äußerst praktisch, weil unzerstörbar. Dieses Ledergewand zählte zur alltäglichen Arbeitsausstattung. Erst richtig hoffähig und damit auch Ausdruck bayerischer Lebensart wurde die Lederhose, als die Wittelsbacher im Zuge der von ihnen inszenierten Trachtenbewegung vermarkteten. Sie ersetzte dabei die Kniebundhose.

Männer in Lederhose stehen auf einem Steg am See.

Selbstverständlich waren diese Kleidungsstücke mit Codes versehen, die den Stand des Trägers anzeigten. Drei bis neun Nähte erklärten die Position. Die Hose aus der sämisch gefärbten Decke von Gams oder Hirsch gehörte einem Bayern, wenn sie eine eher üppig grüne Flachstickerei besaß. Die rot-weiß-roten Nachbarn setzten dagegen auf eine feine, zurückhaltende Reliefstickerei. Speziell für Reiter wurde die Lederhose mit einer Tellernaht versehen, die auch „Arschnaht“ genannt wurde. Der Latz – das männlich-bajuwarische Efeublatt – wurde ins Programm aufgenommen, weil sich die Sittenwächter ob der zu wenig züchtigen Form erregten. Die Lederhose kann man in der Tat als generationenübergreifend beschreiben. Schließlich überdauert das fesche Beingewand meist mehrere Generationen. Damit schließt sich der Kreis zur Idee der Wittelsbacher, mit dem Nationalgewand ein überdauerndes bayerisches Identitätsgefühl zu schaffen. Ein Lebensgefühl, das viele Generationen überdauern soll.

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Frauen und Männer in Altöttinger Tracht am See.

Die Altöttinger Tracht

Altöttinger Tracht
Menschen in Tracht sitzen in einem Bierzelt

Tracht in Bayern

Tracht in Bayern
Menschen in Tracht tanzen

Bayerische Tänze

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