Männer und Frauen in Tracht an der Gnadenkapelle

Gschichtln rund ums Gautrachtenfest 2019 in Altötting

Die Wittelsbacher und die Tracht

Die Wittelsbacher wollten ihrem stammesmäßig vielfältigen Bayern ein Zusammengehörigkeitsgefühl vermitteln. Als König Ludwig I noch Kronprinz war, machte er sich bereits auf die Suche nach regionaltypischen Gewändern. Viel fand er damals nicht. Erst unter König Max II erfuhr die Hinwendung zur Tracht einen enormen Aufschwung. Lederhosen und Trachtenkleid wurden zum Sinnbild Bayerns – also zum Bayerntrikot des 19. Jahrhunderts.

„Die Menschen trugen die Tracht zu festlichen Anlässen. Nicht nur die Farben waren regional unterschiedlich. Im oberbayerischen Raum nahe den Bergen gehörten Lederhose, Hemd und Hut immer dazu. Der Hut war das Erkennungsmerkmal für freie Bauern. Darüber hinaus gab es die dunkle Volkstracht. In Niederbayern ist diese bis heute durch bunte Farben gekennzeichnet.“ Wer heute auf Volksfeste geht, sieht Frauen in bunten Dirndln und Männer, die zumindest ein Trachtenhemd tragen. Philosoph Christian Schüle, Autor des Buches Heimat, beschreibt das Gefühl, das heute mit der Tracht verbunden wird, mit der Sehnsucht nach Geborgenheit und dem ästhetischen Bekenntnis zur Tradition. Die Idee der Wittelsbacher lebt also auch in moderner Zeit weiter.

Frauen und Männer in bayerischer Tracht am See.

Tracht als bayerisches Lebensgefühl?

Interessanterweise schlief in Bayern die Lust auf den weiß-blauen Kleidungscode ab den 70er-Jahren ein. Bis in die 90er-Jahre hinein fiel es nahezu niemanden ein, in Dirndl oder Tracht auf Volksfeste zu gehen oder sich damit anderswo zu zeigen. Was in den 90er-Jahren zaghaft wieder erblühte, erfuhr mit der Fußball-WM 2006 eine wahre Renaissance: das fröhliche Dirndl bei den Mädels und zumindest das Trachtenhemd bei den Burschen sind mittlerweile wieder Ausdruck einer speziellen Form von Zusammengehörigkeit, einer Art Bindung einer überdauernden Tradition. Aufgrund der Massen, die alleine beim Oktoberfest verkauft werden, muss es billig sein. Auf der einen Seite steht das Billigprodukt für Millionen, auf der anderen Seite zwei besondere einheimische Trends. Ein Dirndlkleid darf jetzt auch wieder etwas kosten und „hochgeschlossen“ ist wieder im Kommen, wie Designerin Kinga Mathe in einer BR-Dokumentation zu berichten wusste. Erst war die Tradition, dann die Moderne mit dem supersexy Outfit und jetzt als Gegenbewegung das elegant hochgeschlossene Kleid. Da haben es die Buam mit ihrer Krachledernen doch viel leichter.

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Frauen und Männer in Altöttinger Tracht am See.

Die Altöttinger Tracht

Altöttinger Tracht
Menschen in Tracht tanzen

Bayerische Tänze

Bayerische Tänze
Vier Jungen in Lederhosen an einem Holzhäuschen

Von Dirndln und Lederhosen

Dirndl und Lederhosen