Nahaufnahme einer Pflasterstraße

Hans-Sachs-Straße

Hans-Sachs-Straße

von Stadtheimatpfleger Manfred Lerch


Die Hans-Sachs-Straße zweigt von der Fabrikstraße südwärts ab und verläuft durch ein Gewerbegebiet (unter anderem Vorbei am Wertstoffhof) in Richtung des Eisenbahndamms, wo sie in einer Sackgasse endet. Benannt ist sie nach dem Nürnberger Schuhmacher, Spruchdichter, Dramatiker und Meistersinger Hans Sachs, geboren am 5. November 1494 in Nürnberg, gestorben 19. Januar 1576 ebenda.Nach dem Besuch der Lateinschule 1509 bis 1511 in seiner Vaterstadt absolvierte Hans Sachs eine Schuhmacherlehre. Bereits hier wurde er durch den Leinenweber Lienhard Nunnenbeck in die Grundregeln des Meistergesangs eingeweiht. Mit dem Knotenstock in der Hand und dem Felleisen auf dem Rücken unternahm der 17jährige als fahrender Handwerksgesell eine fünfjährige Wanderschaft, die ihn zunächst nach Regensburg führte, wo er eine Zeitlang Arbeit fand und sich in den Musestunden der dortigen Zunft der Meistersinger anschloss.

Bild von Hans Sachs

Von Regensburg aus begab sich Hans Sachs als einer, der schon einige Meisterlieder vortragen konnte, per Schiff donauabwärts in die Dreiflüssestadt Passau, sodann innaufwärts bis Braunau, wo in ihm die Lust aufs Dichten wuchs. Hier erfand er seinen ersten „Ton“, die Strophenform der sog. Silberweise. Weiter ging es ins nahe Ried, wo er den „güldenen Ton“ fand. Nächstes Wanderziel war das oberösterreichische Wels. Von dort zog er südwärts nach (Reichen-)Hall und Salzburg, wo ihn die neue Erfindung Gutenbergs, eine Buchdruckerei, stark beeindruckte.

Über die einstige Residenzstadt Burghausen und den damals gerade aufblühenden Wallfahrtsort Oetting, den er offenbar nicht zur Kenntnis nahm, kam Hans Sachs nach Landshut, wo er sich längere Zeit aufhielt. In seinen späteren Lebensjahren gedachte er dieser Stadt und des benachbarten Dorfes Ergolding  in einigen Schwänken, z.B. „Die Yserbruck zu Landshut“ (1562) oder „Der faule Fritz im Kalter“.

Von Landshut aus führte ihn sein Wanderweg als fahrender Gesell in die damals etwa 15.000 Einwohner zählende herzogliche Residenzstadt München,  wo er am Stephanstag 1513 eintraf. In seinem autobiographischen Spätwerk „Valete“ fasste er seine Wanderzeit in folgenden Versen zusammen: 
                                                
„Als meine Lehrzeit vollendet war,
Tät ich meinem Handwerk nach wandern
Von einer Stätte zu der andern:
Erstlich gen Regensburg und Braunau,
Gen Salzburg, Hall und gegen Passau
Gen Wels, München und Landshut
Gen Oetting und Burghausen gut.“

Mit 20 Jahren hatte der auf Freiersfüßen wandernde Schuhmachergeselle neue Strophenformen erfunden, sodass er in München und später in Würzburg und Frankfurt als Leiter von Meistersinger-Treffen auftrat und berühmt wurde. 

Weitere Wanderwege führten Hans Sachs an den Mittel- und Niederrhein. Danach ließ er sich endgültig in seiner Heimatstadt nieder und heiratete 1519 die 17jährige Kunigunde Kreutzer, aus deren Ehe sieben Kinder stammten. Ab 1520 betrieb der frischgebackene Schuhmachermeister ein eigenes Geschäft.

Hans Sachs gehört zu den frühesten Anhängern Martin Luthers. In seinem berühmten Gedicht „Die Wittenbergische Nachtigall“ (1523) wetterte er gegen Papst, Bischöfe und Pfarrer, die das Wort Gottes eher unterdrückten als es zu verbreiten und sich wie Wölfe gebärdeten, die es nur auf das Geld ihrer Schäfchen abgesehen hatten. 1524 veröffentlichte Sachs ein fiktives Streitgespräch zwischen einem Chorherrn und einem Schuhmacher, in dem der protestantische Handwerker den Kleriker mit Wortwitz in die Ecke drängt und letzterer anschließend als der Dumme dasteht.

Der Poet und Schuhmacher starb am 19. Januar 1576 in Nürnberg. Er war einer der produktivsten Literaten deutscher Zunge in der Vorklassik. Sein über 6.000 Titel umfassendes Gesamtwerk enthält 4.500 Meisterlieder, 1.800 Spruchgedichte, 208 Schauspiele und 85 Fastnachtsspiele, verlor aber später an Bedeutung, bis kein Geringerer als Goethe seinen Wert für die deutsche Literatur erkannte und ihm Richard Wagner in der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ ein musikalisches Denkmal setzte. 

Quellen: Hans Sachs, Werke, 26 Bde. Nachdruck Hildesheim und New York 1964.

Bild von Hans Sachs' Werken