Nahaufnahme einer Pflasterstraße

Lödererweg

Lödererweg

von Manfred Lerch, Stadtheimatpfleger


Der Lödererweg zweigt von der Mühldorfer Straße südwärts ab und wurde durch Stadtratsbeschluss zu Ehren der bekannten Altöttinger Künstlerfamilie Löderer (ursprünglich: Lederer) benannt, die im 17. und 18. Jahrhundert hier ansässig waren.

Im einstigen „Futtergaßl“, dem späteren „Malergaßl“ bzw. der heutigen Josefsburggasse, hatten die Löderer ihre Behausung samt Malerwerkstatt. Das heute noch erhaltene, sog. Malerhaus, hat aber sein Aussehen stark verändert. Aus dem ehemals ebenerdigen Holzhaus ist ein zweistöckiger Steinbau mit Eternit-Fassade geworden, der wenig von seiner einstigen Idylle erahnen lässt. Verschwunden ist das romantische Holzschindeldach, geblieben aber ist die ungewöhnliche  Außentreppe ins Obergeschoss.

Bild von Johan Lederer

Der Ahnherr der Familie, der „Mahler Johan Lederer“ war bereits verheiratet, als er sich um 1671 im Wallfahrtsort niederließ. Seine Herkunft liegt im Dunkeln. Ehefrau Maria Barbara schenkte ihm in den folgenden zwei Jahrzehnten 14 Kinder, wie in den Matrikelbüchern vermerkt ist, die allesamt in der Altöttinger Stiftskirche getauft wurden. Auch über die berufliche Tätigkeit Johan Lederers  lässt sich nichts in Erfahrung bringen. Man darf hingegen annehmen, dass er sich als Votivtafelmaler seinen Lebensunterhalt für die Großfamilie verdienen musste. Er starb 1694 in Altötting.

Alte Ansicht auf das Haus der Familie Lederer

Von seinen acht Töchtern waren vier ebenfalls mit Künstlern verheiratet: Maria Anna 1705 mit dem Maler Joseph Paur in Innsbruck, Maria Margaretha 1705 mit dem Maler Paul Vogl in Obernberg am Inn, Maria Catharina 1709 mit dem Maler Johann Halla in Pfarrkirchen, Maria Elisabetha 1715 mit dem Maler Edmund Egg in Dießen am Ammersee. 

Drei seiner insgesamt sechs Söhne schlugen die künstlerische Laufbahn ihres Vaters ein. Der wohl erfolgreichste unter ihnen war Franz Joseph (*1676). Nach seiner Lehrzeit in Augsburg trat er die Stelle als Hofmaler im Dienst des Fürstbischofs Johann Ernst von Eckher zu Freising an und starb als vielbeschäftigter Altarbild- und Freskenmaler 1733 im dortigen Hl.-Geist-Spital. 

Sein jüngerer Bruder,  Johann Philipp (*1690), übernahm die Malerwerkstatt in Altötting, verzog aber später nach Neuburg/Donau, wo er um die Mitte des 18. Jahrhunderts verstarb. 

Johann Philipps jüngster Sohn, Franz Anton Theodor (*1732), hatte wiederum neun Kinder. Durch Einheirat kam das sog. Lödererhaus 1867 an die Malerfamilie Wallner, die es bis zu ihrem Tode bewohnte. Damit starb die Maler-Dynastie aus. 

Leider haben die Löderer fast keines ihrer Kunstwerke signiert, so dass die Urheberschaft ihrer zahlreichen Werke nicht immer gesichert ist. Im Depot des aufgelösten Heimatmuseums finden sich vor allem Arbeiten Johann Philipp Löderers. Darunter das Ölgemälde „Der Hl. Rupertus mit dem Gnadenbild“ um 1700, sowie ein Selbstporträt in Öl mit passendem Barockrahmen. Zahlreiche Skizzen und Entwürfe runden die Sammlung ab. Besonders eindrucksvoll der barocke Orgelprospekt von 1724 in der Stiftskirche St. Philippus und Jakobus.


Quellen:    Stadtarchiv 
Depot des Heimatmuseums
Stiftpfarrkirchen-Buch 2010