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Wallfahrtsmotto 2022

Jahres- und Wallfahrtsleitwort 2022: … auf dass sie alle eins seien!

Im Schaufenster eines Geschäftes war das Schild zu lesen: „Ungeimpfte unerwünscht!“ Diese Aufschrift steht exemplarisch für das, was derzeit in unserer Gesellschaft passiert. Die Tatsache, dass es verschiedene Meinungen, Sichtweisen und Standpunkte gibt, ist dabei nicht das Problem, sondern die Wut und die Aggressivität, der Abscheu und der Hass, mit denen über Andersdenkende geurteilt wird. Eine Spaltung in der Gesellschaft wird sichtbar und schreitet voran, die Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen, Vereine und Verbände, Pfarrgemeinden und selbst Familien entzweit. Sicher: Es geht in Bezug auf die Maßnahmen, die das Corona-Virus mit all seinen Mutationen von uns abverlangt, um viel: um Freiheit und Sicherheit, um unseren Wohlstand und den Arbeitsplatz, um körperliche und psychische Gesundheit. Ja, es geht – wenn man so sagen will – um Leben und Tod. Und je aggressiver die Meinungen aufeinandertreffen, umso deutlicher wird, dass der gesellschaftliche Friede keine Selbstverständlichkeit ist; dass die Einheit und die Wohlfahrt unseres Volkes und der ganzen Welt eine sensible und brüchige Sache sind. Diese Tatsache lässt uns nach dem Grund der Einheit fragen: Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Worin liegen die Grundlagen für unsere Humanität? Gibt es ein Zeichen der Einheit, um das wir uns sammeln können?

An den vielfältigen Spaltungen, unter denen wir leiden, wird deutlich, dass die Einheit der Vielfalt vorausgeht. Die Zerrissenheit der Welt, die Polarisierungen in der Kirche, die Zerbrechlichkeit unserer Familien und die Zwietracht, die immer wieder auch in unseren Herzen hochkommt, wecken in uns die Sehnsucht nach Einheit, nach Geborgenheit und Frieden. Diese Einheit erkennen wir in Gott. Die Einheit Gottes ist aber keine starre Abgeschlossenheit, sondern in sich dynamische Beziehung des Vaters zum Sohn im Heiligen Geist. Diese Einheit nennen wir Liebe. Und Gott will, dass wir Menschen an dieser Einheit, an seiner Liebe, teilhaben. Deswegen sandte Gott in der Kraft des Heiligen Geistes seinen Sohn in die Welt. Aus Maria, der Jungfrau, ist er Mensch geworden. Er kam in die Welt, um uns von Schuld und Sünde zu befreien, weil sie die Quellen aller Spaltungen sind. Und am Vorabend seines Opfertodes bittet Jesus seinen Vater am Ölberg im hohepriesterlichen Gebet, für seine Jünger und für alle, die an ihn glauben, dass sie eins seien (Joh 17,11.22).

Papst Franziskus hat 2018 in den Römischen Generalkalender einen neuen Gebotenen Gedenktag eingefügt, der jedes Jahr weltweit am Pfingstmontag gefeiert wird: Maria, Mutter der Kirche.  Damit möchte Papst Franziskus neu ins Bewusstsein heben, dass Maria ein Zeichen für die Einheit der Kirche ist. Von der Urgemeinde, die sich nach der Himmelfahrt Jesu Christi um die verbliebenen Jünger gebildet hatte, lesen wir in der Apostelgeschichte: Sie alle verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu (Apg 1,14).

Einmütig im Gebet um Maria versammelt wissen wir uns am Gnadenort Altötting als Pilgergemeinschaft auf dem Weg zu ihrem Sohn Jesus Christus. Und deswegen wollen wir uns angesichts der Zerrissenheit der Welt und den Spaltungen in der Kirche im Pilgerjahr 2022 ganz bewusst um Maria versammeln, der Mutter Jesu und der Mutter der Kirche, um für diese Einheit in der Welt ein glaubwürdiges Zeugnis zu geben, auf dass die Welt – wie Jesus im hohepriesterlichen Gebet zum Vater gewandt sagt – erkennen möge, dass wir in diesem Glauben von Gott geliebt und wohl behütet sind.

Mit den besten Segenswünschen für sie und Ihre Lieben und in der Hoffnung, dass wir uns im Jahr 2022 alle gesund und frohen Mutes um das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Altötting im Gebet vereint wiedersehen werden, grüßt Sie und alle Altötting-Pilgerinnen und Pilger sehr herzlich

Dr. Klaus Metzl
Wallfahrtsrektor